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Der Kobold in der Mühle
In Ziegenbeins Mühle in Hoitlingen spukte es früher häufig.
Des Morgens fand der Müller oft die Säcke ausgeschüttet;
Korn, Mehl, Kleie und Schrot lagen durcheinander.
An einem Winterabend saß die Familie Ziegenbein beim Abendessen,
als jemand an die Tür klopfte. Es war ein Bärenführer, der von
Tiddische gekommen war. Er bat den Müller um ein Nachtlager für
sich und seinen Bären. Herr Ziegenbein bedeutete ihm aber, dass
er für den Bären kein Lager habe, denn Schweine- und Kuhstall seien
voll. Der Bärenführer meinte, man könne das Tier doch in die Mühle
sperren. - „Da sind böse Geister!" sagte der Müller. --- „Wenn es
weiter nichts ist', entgegnete der Bärenführer, „das Tier wird sich
seines Felles schon wehren!" - „Gut, auf Eure Verantwortung mögt
Ihr Euren Bären in die Mühle bringen", willigte Herr Ziegenbein ein.
Also bezog Meister Petz sein Nachtlager in der Mühle. Der Müller
aber saß mit seinem Gaste noch einige Zeit zusammen und hörte ihm zu
wie er von seiner Wanderschaft erzählte; dann gingen auch sie, schlafen.
Um 12 Uhr wachten sie auf, denn von der Mühle her erscholl ein
großes Getöse und Rumoren. Keiner getraute sich aufzustehen, und
nach einiger Zeit war auch wieder alles still. --- Als man am anderen
Morgen in die Mühle kam, schlief der Bär fest, als wenn nichts gewesen wäre.
Die Gäste blieben des schlechten Wetters wegen noch eine Woche,
und alle Nächte verliefen vollkommen ruhig. Inzwischen war laue
Frühlingsluft in das Land gezogen, und der Bärenführer zog mit seinem
langhaarigen Gesellen weiter.
Nach einiger Zeit klopfte es des Abends in der Dämmerung wieder
an die Tür des Müllers. Ein Kopf guckte herein, der so groß wie eine Kiepe
und von unbeschreiblicher Hässlichkeit war. Er fragte: „Müller,
lewet jue grote swarte Katte noch?" --- „Ja, dä lewet noch
un hat sebben' Junge“, erwiderte der Müllers -- „Na, denn mott ik swinne
weglopen!"* Mit diesen Worten verschwand der Kobold, und es gab
seitdem keinen Spuk mehr in der Mühle.
Erzählt von Helmut Krause, Hoitlingen
Aus dem Buch
Unsere Heimat Sagen/Bräuche und Volksreime
des Kreises Helmstedt
* „Müller, lebt deine große schwarze Katze noch?" ---
„Ja, die lebt noch und hat 7 Junge, erwiderte der Müllers --
„Na, denn möchte ich schnell weglaufen
Der Teufel beim Kartenspielen
Vor langer Zeit gingen die alten Herren im Winter jeden Abend
zum Kartenspielen nach der Hoitlinger Mühle. Eines Abends waren sie
wieder alle beisammen. Es klopfte. „Herein!' sagte der Müller.
Da trat ein fremder Mann herein und bat um ein Nachtlager. Der Müller
sprach: „Wärm dich erst mal ein wenige" Nach einiger Zeit sah der
Fremde beim Kartenspielen zu. Einer der Spieler verabschiedete sich,
nahm seinen Hut und ging. An seiner Stelle spielte jetzt der Wanderer mit.
Das erste Spiel war zu Ende.
Ein Spieler aus dem Dorfe war an der
Reihe, die Karten zu mischen. Dabei fiel ihm eine Karte unter den Tisch
Er bückte sich, um sie wieder aufzunehmen. Dabei sah er, dass der
Wanderer einen Pferdefuß hatte. Vor Schreck legte er die Karten hin,
nahm seine Mütze und ging nach Hause. Nach einer Weile gingen auch
die anderen. Der Müller wies dem Fremden sein Nachtlager an und
ging auch zu Bett. Am anderen Morgen wollte man den unbekannten
Gast wecken, aber das Bett war leer. Das sagte der Müller den Spielern.
Von dem Tage an gingen sie lange Zeit nicht mehr in die Mühle zum Kartenspielen.
Erzählt von Wolfgang Schmolke, Hoitlingen
Aus dem Buch
Unsere Heimat Sagen/Bräuche und Volksreime
des Kreises Helmstedt
Schulze aus Hoitlingen ritt auf dem Teufel
Eines Abends waren in der Hoitlinger Mühle die Kartenspieler wieder zusammen.
Viele Spiele hatten sie schon hinter sich. Bauer Schulze,
der um 12 Uhr nachts nach Hause ging, sah auf einem Graswege
einen Schimmel weiden. „Na, dä kummt ja gerade tau'r rechten
Tiet", dachte er bei sich. Er schwang sich auf den Schimmel, schlug ihn
an den Kopf, und das Pferd raste wie der Wind davon.
Als sie am Matzen Hagen waren, merkte er, dass der Schimmel in
die Höhe stieg. Er sprang schnell ab, der Schimmel aber lachte und rief:
"Hast man en Düwel redden!" Schulze antwortete: „Ja, ik hebbe
dik ok an dienen ollen Dübelskopp ehaut ! „
Erzählt von Marga Wienecke, Hoitlingen
Aus dem Buch
Unsere Heimat Sagen/Bräuche und Volksreime
des Kreises Helmstedt
Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der Aller-Zeitung, Wolfsburger Allgemeine Zeitung und dem Isenhagener Kreisblatt
Ein besonderer Dank an den ehem. Bürgermeister (1974-2007) Herrn Heino Meyer und auch ein herzlichen Dank an dessen Frau Karola, für die zahlreichen Dokumente, Zeitungsausschnitte, Fotos uvm.
Des Weiteren möchte ich Harald Harms aus Jembke für weitere Dokumente und Zeitungsausschnitte danken.



